In diesen Wochen findet bereits zum achten Male Photo.Spectrum.Marburg. in der Universitätsstadt und zahlreichen Kommunen des Landkreises statt. Für Fotografinnen und Fotografen ist 2026 ein besonderes Jahr, denn der 200. Geburtstag der Fotografie kann gefeiert werden. Auch die Stadt Neustadt (Hessen), so Bürgermeister Thomas Groll, beteiligt sich wieder gerne an der Veranstaltung und öffnet hierzu das Rathaus als „Galerie auf Zeit“.
„Licht und Schatten“ heißt die von Waltraud Frese aus Schrecksbach zusammengestellte Ausstellung.
Waltraud Freses Fotografien von Architektur entstehen mit Lochkameras. Diese erzählen von Veränderungs- und Wandlungsprozessen durch das Licht. Mit der Lochkamera geht sie auf die Anfänge der Fotografie zurück. Dieser einfache Kasten ohne Objektiv und Sucher ermöglichte es ihr dank längerer Belichtungszeiten, anstatt nur das Abbild eines Gebäudes festzuhalten, einen Ablauf der Zeit aufzunehmen. Dieser Vorgang ist immer das Ergebnis von Zufall und Steuerung.
Durch mehrere Öffnungen oder Standortverschiebungen der Kamera ergibt sich mittels Überlagerung eine Veränderung des Ausgangsmotivs. In Verpackungsdosen verwendet Waltraud Frese Fotopapier als Negativmaterial, in Kameras Negativfilm. Die Aufnahmen entstanden auf Reisen, vorwiegend in Spanien und Italien, in der Schwalm und in Neustadt (Hessen).
Im Hinblick auf die bevorstehende Osterzeit wird Waltraud Frese in den Vitrinen im Eingangsbereich des Rathauses neben verschiedenen verwendeten Kameras auch Exemplare ihrer Sammlung von Eierbechern und Eiern ausstellen.
Waltraud Frese absolvierte ein Studium der bildenden Künste in Hamburg und Kassel und war von 1972 bis 2007 Kunstlehrerin an einem Gymnasium. Seitdem ist sie freie Künstlerin und begann mit ihrer Ausstellungstätigkeit. Ihre Werke präsentierte sie bisher in Kommunen der Region, aber auch in Frankfurt, Kassel, Lissabon, Basel oder Zürich.
Bürgermeister Thomas Groll lud die Gäste der Vernissage dazu ein, neue, vom Zufall geprägte Blicke auf Venedig, Bologna und Köln, aber auch Ziegenhain und Neustadt zu werfen.
Eindrucksvoll schilderte Waltraud Frese ihre Art des Fotografierens und gab manche Begebenheit aus den letzten Jahrzehnten wieder.
Andreas Maria Schäfer, Initiator und bis heute "Motor" der Photo.Spectrum.Marburg. ging in seinem Grußwort auf die Geschichte der Fotografie ein und bezeichnete die Arbeit mit der Lochbildkamera als die ursprünglichste Art des Fotografierens.
Die Ausstellung mit Lochkamerafotografie ist bis Ende Mai 2026 im Rathaus zu den Öffnungszeiten zu besuchen.
Foto: Stadt Neustadt (Hessen)