Vor zwei Jahren hatte die Stadt Neustadt (Hessen) den Hartplatz der ehemaligen Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne und einen Teil der angrenzenden Hindernisbahn von der Bundesanstalt für Immobilienmanagement für 12.000 Euro erworben. Der äußerst günstige Preis für die etwa 2,4 ha große Fläche erklärt sich aufgrund der Vergünstigungsrichtlinie des Bundes für den Ankauf von Konversionsflächen durch Kommunen. Diese ersparte der Kommune über 120.000 Euro.
Auf einer Teilfläche von 1,5 ha – einschließlich der Hindernisbahn - wird nun voraussichtlich bis zum Frühjahr 2028 eine neue Kindertagesstätte mit einer Grundfläche von rund 900 qm errichtet.
Die infrastrukturellen Arbeiten – Erschließung der Fläche mit Wasser, Abwasser und Strom sowie Schaffung einer Zufahrt – durch die Fa. Bauscher aus Neustadt wurden kürzlich abgeschlossen. Durch die Kommune wurde zudem aufgrund einer vertraglichen Auflage ein 3 m hoher Zaun mit Übersteigschutz an der Grenze zur Außenstelle der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete errichtet. Für diese Maßnahmen fallen insgesamt Kosten von 670.000 Euro an.
Der Neubau der Kindertagesstätte wurde vom Alsfelder Architekturbüro Schmidt und Strack Architekten geplant. Hierbei wurden die aktuellen baulichen und pädagogischen Anforderungen an eine moderne KiTa berücksichtigt und mit dem Fachdienst Frühe Kindheit und Familie des Landkreises abgestimmt.
In dem Gebäude werden eine zusätzliche U3-Gruppe (Kinder von 1-3 Jahren) und zwei altersgemischte Gruppen (Kinder von 2-6 Jahren) untergebracht. Es entstehen insgesamt bis zu 62 Plätze, die sich durch Integrationsmaßnahmen oder zweijährige Kinder in den altersgemischten Gruppen aber verringern können.
„Wir haben in Neustadt einen größeren Bedarf an Krippenplätzen und erfüllen den Rechtsanspruch gegenwärtig noch nicht. Rund 40 Kinder unter drei Jahren besuchen KiTas, es könnten aber bis zu 130 sein. Bei dem wohl ab 2027 zur Verwirklichung anstehenden Neubaugebiet „Stückertriesch“ rechnen wir mit Zuzug von außerhalb und damit einhergehend einer Nachfrage an Kindergartenplätzen. In den nächsten Jahren dürfte zudem die Zahl an Integrationen zunehmen, so dass die Gruppen verkleinert werden müssen“, begründet Bürgermeister Groll den Neubau der KiTa.
Der vierte Gruppenraum des Gebäudes wird als Schutzraum für den Waldkindergarten dienen.
Das Außengelände der herkömmlichen Kindertagesstätte wird von dem Büro KuBus Freiraumplanung aus Wetzlar geplant.
Die bisherige Waldgruppe wird mitsamt ihrem Bauwagen auf die ehemalige Hindernisbahn umziehen und als Naturgruppe Bestandteil der neuen Einrichtung, die noch keinen Namen hat.
„Ein eingruppiger Kindergarten, wie es der Waldkindergarten bisher ist, bringt immer organisatorische Herausforderungen mit sich. Deshalb folgen wir dem Beispiel anderer Kommunen. Die Gruppe wird sich auch zukünftig vorrangig im Freien aufhalten, die Eingliederung wird aber zahlreiche Vorteile und Betreuungssicherheit mit sich bringen“, so Thomas Groll.
Insgesamt sieht die aktuelle Baukostenschätzung Bruttobaukosten von knapp 5,1 Euro vor.
Im Beisein zahlreicher Kommunalpolitiker und Mitarbeitenden der Verwaltung, darunter Fachbereichsleiter Thomas Dickhaut, der das Vorhaben betreut, des Architekten Dr.-Ing. Stefan Strack und Karsten Schmidt sowie Michael Grebe von der den Rohbau ausführenden Firma Grebe aus Lahntal vollzog Bürgermeister Thomas Groll am 14. September 2026 gemeinsam mit Mädchen und Jungen aus der Kindertagesstätte „Sonnenschein“, Standort „Arte Care“, zwei Kindern aus dem Waldkindergarten und der designierten Einrichtungsleiterin Irina Wiens sowie den Erzieherinnen Alexandra Bieker und Judith Eberwein den ersten Spatenstich.
„Ich wünsche den Bauarbeiten einen zügigen und Unfallfreien Verlauf und der Stadtkasse keine negativen Überraschungen. Wir stellen uns mit diesem Neubau unserer Verantwortung als Kommune für eine gute Betreuung der Kinder in Neustadt. Diese KiTa ist ein weiterer wichtiger Beitrag zur attraktiven Wohnstadt Neustadt“, so der Bürgermeister.
Finanziert wird der Neubau durch ein zinsverbilligtes Darlehen des Landes über 2,5 Mio. Euro aus einem Sonderprogramm für den Ausbau der Kinderbetreuung, 1,4 Mio. Euro Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz und Eigenmitteln der Kommune.
Zum Stand des Schadensfalles „Kindertagesstätte Sonnenschein“ in der Eichsfelder Straße – hier gab es vor 12 Monaten einen größeren Wasserschaden – wusste Thomas Groll nicht grundlegend Neues zu berichten. „Die ganze Sache dauert leider sehr lange. Viel spricht für einen Neubau, denn da ist nicht nur der Wasserschaden mit allen seinen Folgen, sondern auch das Dach, der anstehende Austausch von Türen und Fenstern, die Zwischendecke, die veraltete Elektronik und der nicht mehr zeitgemäße Gebäudezuschnitt. Allerdings können wir hier erst handeln, wenn wir uns mit der Versicherung verständigt haben. Wir stehen in Gesprächen, aber diese sind aufgrund baulicher und juristischer Frage nicht einfach. Je eher wir hier zu einem Abschluss kommen, umso besser. Schließlich muss auch hier eine Förderkulisse aufgebaut werden.“